Prüfungsschema

Straftaten bei akuten Gefahrenlagen, §§ 323c; 138, 139 StGB

Dieses Schema behandelt die Unterlassene Hilfeleistung (§ 323c StGB) sowie die Nichtanzeige geplanter Straftaten (§§ 138, 139 StGB), die bei akuten Gefahrenlagen relevant werden können.

§ 323c StGB · § 138 StGB ·§ 139 StGB

A. Unterlassene Hilfeleistung, § 323c I StGB

I. Tatbestand

1. Objektiver Tatbestand

a) Tatsituation

Definition

Unglücksfall

Ein plötzliches Ereignis, das eine erhebliche Gefahr für Personen oder Sachen mit sich bringt oder zu bringen droht. Die Beurteilung erfolgt nach ex post Perspektive für den Unglücksfall selbst, die Eintrittswahrscheinlichkeit weiterer Schäden nach ex ante Perspektive.

Definition

Gemeine Gefahr/gemeine Not

Ein Zustand, bei dem die Möglichkeit eines erheblichen Schadens für Leib oder Leben oder Sachwerte für unbestimmte Personen naheliegt.

b) Tathandlung: Unterlassen der erforderlichen und zumutbaren Hilfe

Die Hilfe muss der Abwehr von Schäden dienen.

Definition

Erforderlichkeit

Die Hilfe, die objektiv ex ante betrachtet möglichst schnell und wirksam ist.

Definition

Zumutbarkeit

Die Zumutbarkeit der Hilfeleistung hängt vom Grad der Gefahr ab.

2. Subjektiver Tatbestand

Vorsatz bezüglich aller objektiven Tatbestandsmerkmale.

II. Rechtswidrigkeit

Allgemeine Rechtfertigungsgründe Es sind keine besonderen Rechtfertigungsgründe für § 323c StGB vorgesehen; es gelten die allgemeinen Rechtfertigungsgründe.

III. Schuld

Allgemeine Entschuldigungsgründe Es sind keine besonderen Entschuldigungsgründe für § 323c StGB vorgesehen; es gelten die allgemeinen Entschuldigungsgründe.

B. Behinderung von hilfeleistenden Personen, § 323c II StGB

Tatbestand Behinderung von Hilfeleistenden Der Tatbestand des § 323c II StGB erfasst das aktive Behindern von Personen, die einem Unglücksfall, einer gemeinen Gefahr oder Not Hilfe leisten oder leisten wollen. Die Norm schützt die Effektivität der Hilfeleistung.

C. Nichtanzeige geplanter Straftaten, §§ 138, 139 StGB

I. Tatbestand des § 138 StGB

1. Objektiver Tatbestand

a) Anzeigepflichtige Straftaten — Die in § 138 I StGB enumerativ aufgeführten Verbrechen.
b) Nicht anzeigepflichtig

Personen, die selbst an der geplanten Straftat beteiligt sind oder Opfer der geplanten Straftat sind.

Problem

Ungeschriebenes Tatbestandsmerkmal

h.M. Die geplante Tat muss dem Täter des § 138 StGB völlig fremd sein, d.h. er darf nicht selbst an der Planung oder Ausführung beteiligt sein oder ein eigenes Interesse an der Tat haben.

2. Subjektiver Tatbestand

a) Vorsatz — Bezüglich der geplanten Straftat und der Nichtanzeige nach § 138 I, II StGB.
b) Leichtfertigkeit — Bezüglich der geplanten Straftat und der Nichtanzeige nach § 138 III StGB.

II. Rechtfertigungsgründe (§ 139 StGB)

1. § 139 II StGB

Ein Geistlicher ist nicht verpflichtet anzuzeigen, was ihm in seiner Eigenschaft als Seelsorger anvertraut worden ist.

2. § 139 III StGB

Straffrei bleibt, wer eine Anzeige gegen einen Angehörigen unterlässt, wenn er sich ernsthaft bemüht hat, ihn von der Tat abzuhalten oder den Erfolg abzuwenden (nicht bei Mord, Totschlag und den weiteren Katalogtaten des § 139 III Nr. 1 bis 3 StGB).

III. Entschuldigungsgründe (§ 139 StGB)

1. § 139 III S. 1 StGB

Ein Entschuldigungsgrund für denjenigen, der die Anzeige gegen einen Angehörigen unterlässt und sich ernsthaft bemüht hat, ihn von der Tat abzuhalten oder den Erfolg abzuwenden.

IV. Strafaufhebungsgründe (§ 139 StGB)

1. § 139 IV StGB

Straffrei ist, wer die Ausführung oder den Erfolg der Tat anders als durch Anzeige abwendet; unterbleibt die Ausführung oder der Erfolg ohne sein Zutun, genügt sein ernsthaftes Bemühen, den Erfolg abzuwenden.

Im Examensfall anwenden

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